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Mit dem Zug durch Italien

Wer in Deutschland schon einmal Zug gefahren ist, weiß wie Nerven aufreibend das sein kann. „Pünktlich wie ein deutscher Zug “ ist schon lange kein treffendes Sprichwort mehr. Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung. Auch der Komfort lässt zu wünschen übrig. Nicht selten sind die Züge völlig überfüllt. Wer nicht bereit ist, für einen reservierten Sitzplatz drauf zu zahlen darf stundenlang im viel zu engen Gang stehen. Klimaanlagen und Heizungen scheinen immer auf Antarktis oder Sahara eingestellt zu sein und bei dem kleinsten Unwetter liegt der gesamte Schienenverkehr lahm. Von den andauernden Streiks des Personals und den unglaublich unverschämten Preisen will ich gar nicht erst anfangen.

Um es kurz zu fassen: Nicht nur ein Mal hat mir die Deutsche Bahn das Reisen in Deutschland vermiest!

Dementsprechend skeptisch war ich zunächst, als wir unseren Sommerurlaub in Italien planten.
Mit dem Zug durch Italien? Und das auch noch in den Sommerferien!? Sofort sah ich mich in einem völlig überfülltem Zug stehen, unzählige italienische Familien auf dem Weg in die Ferien um mich herum und die Klimaanlage kommt gegen die 40°C Außentemperatur nicht an.


Aber Zugfahren in Italien ist eine sehr komfortable Art zu reisen!


Das fängt schon bei den Preisen an! Für jemanden der an Deutsche Bahn-Preise gewöhnt ist, für den erscheint Zugfahren in Italien fast umsonst.

Für die Strecke von Venedig nach Bologna (ca. 150 km) haben wir pro Person 14€ gezahlt.

Bologna nach Florenz (ca.110 km) hat uns 9€ gekostet.

Und um von Florenz nach Rom (ca. 280km) zu kommen haben wir je 21€ bezahlt.

(Ich muss hier anmerken, dass wir zu ermäßigten Preisen gefahren sind, da wir unter 25 sind. Allerdings waren die regulären Tickets immer nur wenige Euro teurer.)


Tolle Website um den passenden Weg von A nach B zu finden: www.rome2rio.com


Und wer jetzt denkt, dass wir zu solchen Preisen ja nur im Viehwagon mitfahren konnten liegt gewaltig daneben!
Alle Züge waren sehr modern und angenehm klimatisiert (fast ein wenig frisch). Der Abstand zwischen den einzelnen Sitzen ist größer, sodass der Gast mehr Beinfreiheit genießt, als in deutschen Zügen. Es gab ausreichen Stauraum für Koffer, auch wenn der Wagon schon recht voll war. Bei allen Verbindungen waren reservierte Sitzplätze inklusive! Auch wenn eine Reservierung kaum nötig war. Die Züge waren nie überfüllt. Ich habe nicht einen Fahrgast stehen sehen. Einige Züge hatten sogar WLAN (das bei uns aber leider nicht funktioniert hat) und Steckdosen. Hier kommt es allerdings darauf an mit welchem Zug man fährt.

Man könnte jetzt natürlich auch meinen, dass man so günstig nur Regionalzüge, gerne auch als Bimmelbahnen beschimpft, fahren kann. Aber die Züge sind von der Geschwindigkeit mit deutschen IC´s oder ICE´s. Auf einigen Strecken fahren Hochgeschwindigkeitszüge die bis zu 300 km/h schnell sind.

Bemerkenswert sind auch die Landschaften durch die man fährt. Von Florenz nach Rom durchquert man die wunderschöne Toskana. Sanfte Hügel und niedliche kleine Städte und Dörfer ziehen an einem vorbei.

Die Abreise aus Venedig ist ebenfalls etwas besonderes. Der Bahnhof liegt in dem historischen Teil der Stadt, also auf einer der vielen kleinen Inseln. Man fährt über eine lange Brücke, mit einem herrlichen Blick auf die Lagune, rüber aufs Festland.


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Italienische Bahnhöfe unterscheiden sich kaum deutschen. Es gibt viele Boutiquen, Schnellrestaurants und Souvenir-Shops. Eine riesige Masse von Menschen ist unterwegs und es gibt überall viel zu viele Tauben!!!
Einige große Unterschiede sind mir doch aufgefallen: Anders als in Deutschland trifft man in Italien deutlich weniger Obdachlose am Bahnhof und alles ist viel sauberer.
In Venedig liegt der Bahnhof direkt am Canal Grade und man hat direkt ein „Venedig-Feeling“, wenn man das Gebäude verlässt. Hier gab es überhaupt keine Obdachlosen oder Bettler, aber eine ganze Brigade von Souvenirverkäufern und Tourguides, die dir direkt etwas verkaufen wollten.
In Bologna liegt der Bahnhof mitten in der Innenstadt, ist allerdings nicht annähernd so überlaufen wie in Venedig. Hier haben wir nicht einmal einen Info-Stand gefunden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Bologna noch keine typische Touri-Stadt ist.
In Florenz wurden wir fast von den gewaltigen Menschenmassen am Bahnhof überrannt! Der Bahnhof ist leider viel zu klein für die vielen Leute, die in täglich benutzen, vor allem in der Urlaubszeit. Der Bahnhof liegt auch hier super zentral, direkt an der historischen Innenstadt. Auch hier warten gleich unzählige Stände mit billigen Souvenirs.
Der Bahnhof in Rom war den einzige, von dem ich leider sagen muss, dass ich mich unwohl gefühlt habe. Nicht der Bahnhof an sich, sondern die unmittelbare Umgebung wirkt,anders als in den anderen Städten nicht besonders sicher. Es lungerten viele zwielichtig aussehende Gestalten in den umliegenden Straßen herum und überall lag Müll.


Alles in allem kann man aber sagen, dass die Bahnhöfe allgemein sehr zentral gelegen sind und man von dort aus sehr gut weiter kommt. Alle waren an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden und wir konnten fast immer zu unserer Unterkunft laufen. Die Bahnhöfe sind sauber und soweit man etwas Englisch beherrscht ist es einfach sich zurecht zu finden.


Zugfahren in Italien wirkt fast luxuriös, wenn man nur „Deutsche Bahn-Standarts“ gewohnt ist. Es ist preiswert und schnell. Außerdem waren ALLE Züge pünktlich!
Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht und kann es nur weiterempfehlen.


Italienische Bahn:

TRENITALIA : www.italienische-bahn.de/de/inlandzuege

Überblick italienische Züge:

www.de.interrail.eu/trains-europe/trains-country/trains-italy


4.9.15 11:57
 


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